Was ist Integratives Reiten?

Das Pferd als Partner eröffnet Menschen mit Handicap (auch aus ärztlicher Sicht) den Zugang zu medizinisch wertvoller Freizeitgestaltung bis hin zur Teilnahme am allgemeinen Turniersport. Kompensatorische Hilfsmittel (speziell angefertigte Sättel, Steigbügel, Zügel) erleichtern das Erreichen reiterlicher Ziele selbst bei ReiterInnen mit schwereren Handicaps. Behindertenreiten ist in seinen Anforderungen individuell dosierbar und lässt sich daher der jeweiligen Behinderungsform gut anpassen.

 

Das Therapiepferd

 

 

Im Integrativen Reiten gibt es eine große Bandbreite an geeigneten Pferden - grundsätzlich kann man keiner bestimmten Rasse den Vorzug geben (von zu kleinen oder zu großen Pferden sollte man Abstand nehmen, ebenso von Pferden unter 5 Jahren oder zu alten, unelastischen Pferden). 


Für jede Behinderungsart sollte der Reitausbilder das passende Pferd aussuchen und ausbilden, immer wieder gymnastizieren, longieren und korrigieren. Die geeignete Größe ist nur eine der Auswahlkriterien (z.B. bevorzugen ängstliche Reiter/innen kleinere Pferde; Erwachsene mit mehr Körpergewicht passen meist besser auf etwas größere und tragfähige Pferde), die Rumpfigkeit (z.B. Reiter/innen mit Spastizitäten in den Beinen sitzen meist auf schmäleren Pferden besser), bis hin zu Temperament und Gangqualität (wobei man zwischen braven Schulpferden und Turnierpferden mit Ausstrahlung unterscheidet). Die Ausbildung des Sportkameraden Pferd für den jeweiligen Einsatz (bis hin zur Hebelifttauglichkeit und Gewöhnung an diverse Hilfsmittel) spielt eine wichtige Rolle. Für einige behinderte Reiter/innen ist neben der Longe auch der Einsatz des Langzügels ein wichtiges Element auf dem Weg zum selbständigen Reitenlernen. Abwechslungsreiche Arbeit lässt Pferde freudiger mitarbeiten, also auch Geländeritte oder Cavalettistunden abhalten.

Wichtig ist ein gut bemuskelter, tragfähiger Rücken. Der Schritt sollte raumgreifend schreitend, im Viertakt und fleißig sein, der Trab und Galopp sollten weich und angenehm zu sitzen sein. Zum Schutz der eingesetzten Pferde und zur Erhaltung der Freude am Gerittenwerden, ist ein Gewichtslimit für Reiter/innen empfehlenswert. Ein Pferd für den Einsatz im Therapeutischen Reiten muss gesund sein, ausreichend gefüttert und gepflegt werden und sollte in seiner Freizeit möglichst artgerecht gehalten werden, d.h. mit der Möglichkeit des Sozialkontaktes auf der Koppel. 

Durchführung

Das österreichische Kuratorium für Therapeutisches Reiten bildet gemeinsam mit dem Österreichischen Pferdesportverband speziell geschulte "Lehrwarte für Integratives Reiten" aus. Bereits anerkannte Reitausbilder können direkt in die Zusatzqualifikation einsteigen.

Zielgruppen

ReiterInnen mit körperlichen, geistigen oder Sinnesbehinderungen, die sich "sportlich" betätigen möchten, jedoch keine "Therapie" benötigen.

Ausbildung

Der Ausbildungslehrgang zum "Lehrwart für Integratives Reiten" ist eine offizielle Ausbildung des Kuratoriums für Therapeutisches Reiten in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Pferdesportverband.
Zugelassen sind Personen (ab 18 Jahren) unter Nachweis folgender Voraussetzungen:

  • Übungsleiter Reiten, staatlich geprüfter Reitinstruktor, -trainer, Reitlehrer
  • Reitwart (FENA), Reitinstruktor (FENA)
  • Bereiter, Reitlehrer (FENA)
  • positiv abgeschlossener Übungsleiter – Assistent Integratives Reiten (vormals Basislehrgang) + RD 1 (mind. 6 Monate vorher erworben)

Die Ausbilder unter Punkt 1.) 2.) 3.) müssen an 3tägigen Vorbereitungsfächern für den Zusatz-Lehrgang teilnehmen.
 

Folgende Ausbildung aus anderen Spezialsparten werden nach Absolvierung einer Feststellungsprüfung zur Ausbildung zum  Lehrwart für Integratives Reiten zugelassen:
  • Westernreittrainer
  • Islandpferdreitinstruktor
  • Islandpferdreitlehrer
Die Schiene „Lehrwart für Integratives Reiten-Western“ bietet seit 2016 eine eigene Ausbildung an.

Die Feststellungsprüfung besteht aus Dressurunterrichtserteilung einer Gruppe von 3-5 Reitern in der klassischen Dressur Klasse A.

Die Zusatzausbildung zum Lehrwart für Integratives Reiten besteht aus zweimal einer Woche. Während der zweiten Woche finden die kommissionellen Abschlussprüfungen statt.

Die Absolvierung einer 30stündigen Praxis in einer der vier Sparten des therapeutischen Reitens ist obligatorisch (Hauptgewicht Integratives Reiten).
Der/die Praxisleiter/in muss vom Kuratorium anerkannt sein (d.h. eine abgeschlossene Ausbildung mit Zeugnis).
Vor Beginn der Lehrwarteausbildung muss zumindest die Hälfte davon absolviert und schriftlich bestätigt sein.


Interessenten, die keine Qualifikation als Reitausbilder nachweisen können, können im Reit- und Therapiezentrum Kottingbrunn einen Basislehrgang absolvieren, der mit Zeugniserteilung „Übungsleiter – Assistent Integratives Reiten“ endet. Zur Teilnahme an dieser Ausbildung muss eine Eignungsprüfung positiv abgelegt werden - siehe "Anforderungen bei der Eignungsprüfung".

In diesem Lehrgang „Übungsleiter – Assistent Integratives Reiten“ wird Grundwissen rund um Pferd und Reiter vermittelt. Springen ist in diesem Lehrgang nicht vorgesehen. Es können aber entsprechende Fächer bei einem Übungsleiter-Lehrgang nachgeholt werden (Springen & Parcoursbau)  und somit die Übungsleiter-Qualifikation zusätzlich absolviert werden.
Bei positivem Abschluss kann an der Lehrwarte-Zusatzausbildung teilgenommen werden.

Achtung: es ist kaum möglich, sich einzig auf die Ausbildungslehrgänge zu verlassen zum gründlichen Erlernen aller praktischen Anforderungen, um am Kursende positiv abzuschließen (Unterrichtserteilung einer Gruppe und Longieren). Wir empfehlen dringend, sich zu geprüften Reitausbildern dazuzustellen, um der Kommandosprache im Gruppenunterricht zuzuhören und somit das eigene Auge zu schulen. Halbwegs fundiertes Grundwissen (dazu gehören auch Skripten & Bücher) sollte bereits vor dem Lehrgang vorhanden sein, um darauf aufbauen zu können!

Pro Kurswoche muss man mit Kosten von etwa
€ 680,- rechnen, ohne Unterkunft und Verpflegung. Grundlehrgang Übungsleiter = ca. 12 Tage,
Lehrwarteausbildung = 2 x 1 Woche, 3 Tage Vorbereitung. Kosten für die Eignungsprüfung müssen vom Prüfungswerber separat getragen werden.

Bezüglich eines Zuschusses zu den Kurskosten kann jede(r) Teilnehmer(in) beim zuständigen Pferdesportverband im jeweiligen Bundesland einreichen (natürlich nur bei Mitgliedschaft, und ausschließlich für die Lehrwarte-Zusatzausbildung - nicht für den Übungsleiterkurs). Es obliegt jedoch dem jeweiligen Fachverband, ob ein Zuschuss gewährt werden kann.

Kosten

Auf Empfehlung des österreichischen Kuratoriums für Therapeutisches Reiten sollten Reitstundenpreise für Reiter/innen mit Handicap an die regional üblichen Reitstunden- bzw. Longenpreise angepasst werden.

Kontakt

Bei Fragen kontaktieren Sie uns doch bitte telefonisch oder per Mail:

Sektionsleitung: Gabriele Orac

Reit- und Therapiezentrum 

Maria Theresien-Straße 8, 2542 Kottingbrunn
Tel: 02252-70641, FAX: 02252-790910
Mail: reiten-und-therapie@aon.at Website: www.reiten-und-therapie.at
 

Stellvertreter: Bernhard Rauch
Tel: 0664-73634828
Mail: bernhardrauch@gmx.net

Integratives Reiten Western: Sabine Schmidhammer
Tel: 0664-2757002
Mail: sabine-schmidhammer@aon.at

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LandesreferentInnen für Integratives Reiten